Die Verwendung von Kannada-Schriftzeichen unter Windows

Unter Privatbenutzern ist Windows (leider) noch immer das meist benutzte Betriebssystem. Bekanntlich bin ich persönlich ein Windows-Gegner: ich finde das Windows-Betriebssystem unübersichtlich, und vor allem die neuesten Benutzeroberflächen (seit Windows 8) finde ich hässlich, verwirrend und ineffizient. Auch wissen wir seit Edward Snowdens Enthüllungen, dass die Firma Microsoft schon seit Jahren auf der Liste der Helfershelfer des amerikanischen Geheimdienstes NSA steht, und die deutsche und andere Regierungen haben gegen die Verwendung von Windows 8 geraten, weil dieses System ein Risiko für die Privatsphäre der Benutzer mit sich bringt. – Wenn man schon PC-Hardware benutzt, sollte man aus mehreren Gründen besser auf das vorzügliche und gratis erhältliche, gratis benutzbare Betriebssystem Linux umsteigen1. Ein für Studierende der Indologie guter Grund wäre schon die vorzügliche Unterstützung von indischen Schriftsätzen.

Tatsache ist aber, dass unter Privatbenutzern Windows noch immer das meist benutzte Betriebssystem ist. Deshalb folgen hier einige Hinweise für diejenigen, die auf einem Windows-Computer Kannada in der eigenen Schrift der Sprache schreiben möchten. (Was hierunter folgt, basiert auf meinen Erfahrungen mit Windows 7, denn danach habe ich nicht mehr mit Windows-Computern gearbeitet.)

Um auf einem Windows-Computer Kannada-Schriftzeichen zu benutzen, braucht man zuerst zweierlei:

Heutzutage wird Windows geliefert mit einem Kannada-Schriftsatz (Tunga, genannt nach einem Fluss in Zentral-Karnataka) und einem Tastaturtreiber für das Kannada2. Diese Hilfsmittel sind brauchbar, aber nicht gerade die schönsten oder einfachsten in der Verwendung.

Standard-Tastaturbelegung in Windows: Der in Windows eingebaute Tastaturtreiber folgt einer Tastaturbelegung, die von der Zentralregierung Indiens bevorzugt wird: dem so genannten Inscript-System3. Die Idee ist, dass wenn man einmal diese Tastaturbelegung gelernt hat, man ohne Weiteres nach demselben System in einer beliebigen indischen Schrift schreiben kann, ohne eine neue Tastaturbelegung zu lernen. D.h. dass wenn man einmal gelernt hat, dass in Inscript das Kannada-Zeichen für ,ta‘ unter der Taste ,l‘ liegt, man auf einem Computersystem, das für z.B. Bengali eingerichtet worden ist, unter derselben Taste das Bengali-Zeichen für ,ta‘ findet. In der Praxis wird es (vor allem in der westlichen Welt) nur wenige Personen geben, die so oft mit Schriften für unterschiedliche indische Sprachen arbeiten, also lässt sich dieser Vorteil nicht wirklich vergleichen mit dem Nachteil, nämlich, dass es ziemlich aufwendig ist, die Belegung zu lernen. (So muss man sich z.B. merken, dass man um in einer indischen Schrift ,bhūmi‘ zu schreiben, ,Ztxf‘ schreiben soll.)

Zum Schreiben von Texten in Kannada auf einem Windows-Computer gibt es mehr als eine Alternative. (Hier erwähne ich nur preiswerte Lösungen, nicht die kostspieligen von kommerziellen Verlagshäusern.)

Alternative 1. In Bangalore gibt es eine organisation mit dem Namen Kannaḍa Gaṇaka Pariṣattu (,Kannada-Computerverband‘), kurz ,KaGaPa‘4, das von der Regierung Karnatakas subventioniert wird. Seit Jahren bemühen sich dessen Mitglieder, Hilfsmittel für die Benutzung von Kannada auf Rechnern bereitzustellen. In unserem Kontext ist ein spezifisches Produkt des Kagapa wichtig, nämlich ihr kostenloses Paket Nuḍi (,Sprache‘), das besteht aus einem Tastaturtreiber, einem Editor und einer großen Zahl von Kannada-Fonts5. Für diejenigen, die das Kannada auf der Webseite noch nicht mit Leichtigkeit lesen: Das Softwarepaket ist unter http://www.kagapa.in/kannada/sites/default/files/downloads/Nudi-5.0/Nudi5.0Setup.exe herunterzuladen, die Fonts unter www.kagapa.in/kannada/sites/default/files/downloads/Nudi-5.0/Fonts.rar.

Mit dem Tastaturtzreiber kann man mehr oder weniger in jedem beliebigen Windows-Programm Kannada schreiben. Die Tastaturbelegung (die von der Regierung Karnatakas befürwortet wird) ist innerhalb weniger Minuten gelernt: ,k‘ gibt die Silbe ,ka‘; ein ,f‘ dient als virāma, d.h. die Tastenkombination ,kf‘ produziert ,k‘. Will man den k mit einem anderen Vokal schreiben, dann tippt man z.B. ,ku‘ für ku, ,kU‘ für kū, ,kO‘ für kō, usw. usw. Das Wort ,bhūmi‘ tippt man ,BUmi‘, das Wort ,bhakta‘ wird als ,Bkft‘ eingegeben. Es lässt sich alles spielenderweise lernen.

Alternative 2. Ebenfalls aus Bangalore kommt das sehr benutzerfreundliche Paket Baraha (erhältlich bei http://baraha.com/). Der Programmierer begann, ein einfaches System zum Schreiben des Kannada zu entwickeln, und als das einmal funtionierte, sah er ein, dass dieses Muster auch auf andere indische Schriften angewendet werden konnte (und er hat das dann auch gemacht). Momentan kann man mit Baraha Kannada, Konkani, Tulu, Hindi, Marathi, Sanskrit, Nepali, Tamil, Telugu, Malayalam, Gujarati, Punjabi, Bengali, Assamesisch und Oriya schreiben. Wie bei Nudi erhält man (mehr als einen) Editor, einen Tastaturtreiber, Fonts für all diese Sprachen, andere behilfliche Software (bitte schauen Sie auf der Website nach), und nach einer Probezeit, in der Sie dies alles erproben können, müssen Sie eine einmalige, lebenslängliche Lizenz kaufen. Es ist nicht kostenlos wie Nudi, aber für was man alles erhält, ist dies ein sehr preiswertes Angebot.

Alternative 3. Die optisch schönste Lösung überhaupt ist die Verwendung des Textsatzsystems TeX6 mit dem ‘typesetting engine’ XeTeX (in der Praxis in einer erweiterten Form: LaTeX oder ConTeXt, das ich wahrscheinlich für die Endversion des Lehrbuches verwenden werde). Für die Installation unter Windows siehe man http://www.dante.de/tex/tl-install-windows.html. All diese TeX-Software ist kostenlos, aber um sie zu verwenden, muss man Spaß an den sehr technischen Aspekten der Computerverwendung empfinden. Sehr viele Informationen (auch deutschsprachig) findet man auf den sehr reichen Seiten von Dante e.V. (Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e.V.): http://www.dante.de/.

(Ergänzung, 29.12.2016: Jetzt können Sie auch die von Google entwickelten Fonts ,Noto Sans Kannada‘ und ,Noto Serif Kannada‘ hier herunterladen. Was man hier ,Sans‘ nennt, sind Schriftzeichen mit gleichmäßiger Strichbreite, während ,Serif‘ eine variable hat und deshalb etwas eleganter aussieht.)

Stand: 19.10.2017


Kannada auf anderen Computerplattformen:


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Zum Homepage von Prof. R.J. Zydenbos am LRZ

Zum Homepage des Instituts für Indologie und Tibetologie

Zum Homepage der LMU


  1. Bald werden auf dieser Website Angaben zur Verwendung von Linux erscheinen. Falls Sie schon Linux benutzen, finden Sie unten in deisem Dokument eine Verknüpfung zu meiner Seite mit Angaben, wie man mit Linux Kannada schreibt. 

  2. Dies könnte im Fall der neuesten Version, Windows 10, wieder geändert sein. 

  3. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Inscript 

  4. http://www.kagapa.in/kannada/ 

  5. Diese sind bei www.kagapa.in/kannada/sites/default/files/downloads/Nudi-5.0/Fonts.rar herunterzuladen. 

  6. TeX (https://de.wikipedia.org/wiki/TeX) mit den Erweiterungen LaTeX (https://de.wikipedia.org/wiki/LaTeX) und ConTeXt (https://de.wikipedia.org/wiki/ConTeXt) ist ein fantastisches System, das aber völlig anders funktioniert als ein herkömmliches Textverarbeitungsprogramm: Es ist fast wie eine Programmiersprache zur Herstellung von besonders schönen Texten. Im Internet findet man kostenlos alles, was man zur Verwendung von TeX benötigt.