Wenn man nicht weiß, wie man auf dem Computer indische Sprachen mit diakritischen Zeichen schreiben kann

R.J. Zydenbos


Stand: 09.08.2020

Zum Schreiben indischer Sprachen auf dem Computer braucht man entweder für die jeweilige Sprache einen Font (Schriftsatz) mit Tastaturtreiber1, oder man schreibt transliteriert, d.h. in Lateinschrift mit zusätzlichen diakritischen Zeichen, die die besonderen indischen Sprachlaute wiedergeben, wie z.B. für das retroflexe d, ā für das lange a, usw. Hierfür gibt es etablierte Konventionen, die niedergelegt sind in der IAST (International Alphabet of Sanskrit Transliteration)2.

Es kann aber passieren, dass aus irgendeinem Grund man auf einem gewissen Rechner nicht die Möglichkeit besitzt, in indischer Originalschrift oder in der etablierten akademischen Transliteration IAST zu schreiben. Auch kann es sein, dass in Email oder auf Internetforen die Unicode-Kodierung nicht unterstützt wird. Als Lösung haben Kollegen in der Indologie unterschiedliche Transliterierungssysteme vorgeschlagen.

Vorher weit verbreitet war das System des niederländischen Wissenschaftlers Frans Velthuis, das noch immer in einigen Softwaresystemen (z.B. TeX) verwendet wird3. Indologen erkennen und verstehen dieses System sofort, und es ist mit wirklich minimaler Anstrengung zu lernen. Manche Kollegen finden es aber als Basis für weitere informatische Verarbeitung das machinell nicht einfachste System. Auch werden in diesem System die doppelten Anführungsstriche diakritisch benutzt, d.h. dass sie nicht mehr in ihrer ursprünglichen Funktion verwendbar sind. A. Aklujkar und G. Tubb verwenden deswegen für das ś die Kombination ;s und für ñ die Kombination ;n.

Andere sehr brauchbare Systeme sind das System von Schreiner und das ITRANS-System, das von Velthuis inspiriert wurde aber einige Neuerungen brachte. (Für eine detaillierte Übersicht s. D. Wujastyk: Transliteration of Devanāgarī.)

Immer mehr hat sich ein System durchgesetzt, dass wieder offenbar von ITRANS inspirert wurde und als Harvard-Kyoto bekannt geworden ist4. Der Nachteil ist, dass man nicht frei Groß- und Kleinbuchstaben verwenden darf, weil Großbuchstaben eine diakritische Funktion haben. Es ist aber schneller zu schreiben und nicht von der kontra-intuitiven Verwendung von Satzzeichen abhängig.

Hier lesen Sie denselben Text in Sanskrit, einmal in IAST, dann in Velthuis, dann im angepassten Velthuis-System von Aklujkar und Tubb, dann in Harvard-Kyoto:

IAST Velthuis Aklujkar-Tubb HK
gatāsūn agatāsūṃśca nānuśocanti paṇḍitāḥ gataasuun agataasuu.m"sca naanu"socanti pa.n.ditaa.h gataasuun agataasuu.m;sca naanu;socanti pa.n.ditaa.h gataAsUn agatAsUMzca nAnuzocanti paNDitAH

Obwohl diese Systeme ursprünglich für das Transliterieren von Sanskrit gedacht waren, können sie leicht für die literarischen dravidischen Sprachen erweitert werden, z.B. (für das moderne Kannada reichen die ersten drei aus – Vorschläge von Zydenbos):

IAST erweitertes Velthuis erweitertes HK
ē ee E
ō oo O
.l L
_l W
_n V
_r Q

Stand: 09.08.2020


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  1. Für Informationen darüber, wie man auf Linux-, Apple- und Windows™-Computern mit Kannada-Schrift arbeitet, habe ich separate Seiten geschrieben: Linux (kannada/linux/kannada-linux.html), Apple (kannada/kannada-osx.html) und Windows™ (kannada/kannada-windows.html). 

  2. de.wikipedia.org: International Alphabet of Sanskrit Transliteration 

  3. Velthuis-System, erklärt in der englischsprachigen Wikipedia 

  4. Das Harvard-Kyoto-System, erklärt in der englischsprachigen Wikipedia